3. Kinderschutz und Kinderfreizeit

Die Fürsorgetätigkeit der Herrschenden…

Bereits seit 1901 fanden im Lechlumer Holz Waldspiele statt, an denen bis 1903 zwischen 250 und 400 Kindern teilnahmen. Die Initiative vom Braunschweiger Turninspektor, Professoren, Ärzten, Regierungsassistenten, kurz Persönlichkeiten des gehobenen Braunschweiger Bildungsbürgertums unterstützt. Spenden kamen in erster Linie von der Bank Oppenheimer & Sohn, Dankwardstraße. Milch wurde von der Braunschweiger Molkerei gespendet.

1903 brach eine Typhusepidemie mit Todesfällen unter den Kindern aus. Wie sich herausstellte, war die Ursache die Milch selbst und der Umgang mit ihr:

Die gespendete Milch, der jeglicher Fettgehalt entzogen worden war, diente zu der Zeit als Viehfutter. Die Kübel wurden von der Molkerei ohne Deckel im Wald abgestellt. Der Inhalt erwärmte sich im Laufe des Tages bei heißen Sommertemperaturen. Die Kinder schöpften mit Tassen, Dosen und anderem Geschirr direkt aus dem Kübel, die ansonsten auf dem Waldboden standen. Die Keime konnten sich ungehindert entwickeln.

und die Antwort der Arbeiterinnen

Die Beschlüsse, die die Frauenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei in Nürnberg 1908 zum Schutz der Kinder fasste, sind als Antwort der sich verschlechternden Verhältnisse zu sehen. Der Wert der häuslichen Erziehung für die Entwicklung des Kindes wurde zwar als wichtig erachtet, aber angesichts der Not, die die Frauen mit ihren Kindern in den Erwerbsprozess zwang, als nicht ausreichend bewertet.

Den vorab gegebenen „Bericht der Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands für die Zeit vom August 1907 bis Ende Juli 1908“ verfasste Luise Zietz. Der Volksfreund zitiert vom 3. – 5. September 1908 daraus, dass der Kampf ums Frauenwahlrecht 1907 Priorität hatte, aber es wird auch bereits deutlich, was mit diesem Recht verknüpft wird:

Zwei () Anträge, denen der Parteitag seine Zustimmung gab, forderten unsere Genossen in den Gemeindevertretungen auf, unverzüglich die Errichtung von Kinderkrippen und Kindergärten durch die Kommune zu beantragen. Den Genossinnen wurde eine eifrige Propaganda für diese Forderungen zur Pflicht gemacht.“

Weiter wurde gefordert

  • Verbot der Kinderarbeit
  • Nachtarbeitsverbot für Frauen
  • Organisation von Kinderfreizeiten.

Weitere Anträge an anderer Stelle. Diese Beschlüsse waren für Minna Faßhauer Auftrag. Zu ihrer Arbeit für die Umsetzung des Reichsvereinsgesetzes und jahrelang alles beherrschenden Agitation für das Frauenwahlrecht kam nun die Organisierung der Kinderfreizeiten, der Kampf für Kinderschutz und seine Durchsetzung hinzu.

Bedingungen in Braunschweig

Nachdem 1906 Prinz Albrecht gestorben war, entschied sich der Regentschaftsrat dafür, Albert Otto die Regierung zu übertragen. Dieser drosselte zu Lasten der Arbeiterschaft die Verschuldung des Staates Braunschweig und siedelte bedeutende Industrie an.

Der „Volksfreund“ am 20. März 1909:

Das Elend der Jute-Sklaven in Vechelde.

… In Braunschweig wird das Familienleben unter dem Schutze der Behörden von den Kapitalisten am meisten der Gefahr der Zerstörung ausgesetzt; die Frauenarbeit ist bei uns am längsten mit ausgedehnt. (…) Der Arbeiterschutz, der im ‚Ordnungsstaate’ …mit am schlechtesten in ganz Deutschland …

In politischer Beziehung sind die Arbeiter bei uns genau so rechtlos wie ein Pflasterstein. In vereinsrechtlicher Beziehung standen die Braunschweiger Arbeiter bis zum Erlaß des Reichsvereinsgesetzes nächst Mecklenburg am schlechtesten in Deutschland da ….“

… „Wie ungeheuerlich gegen das Menschenrecht, gegen die einfachsten Regeln der Sittlichkeit in der unmittelbaren Nähe der Residenzstadt Braunschweig verstoßen wird … Exkursion in das benachbarte Vechelde, das eine der Goldgruben für die reichen Aktionäre der Jute- und Flachsspinnerei in sich birgt. … Mitleid mit den armen Menschen, die … an den Jutebetrieb gefesselt worden sind, ohne dass auch nur die allergeringsten Ansprüche erfüllt sind, die an die Unterbringung der etwa 450 bis 500 Arbeiterinnen und Arbeiter für ihre freie Zeit gestellt werden müssen.“

„Unter ortskundiger Leitung“ betreten die Besucher ein Hinterhaus und ein Zimmer, „3 Meter breit, 4 Meter lang und 2,60 Meter hoch. Die schmutzigen Wände sind zum großen Teil klatschnaß“. Möbliert ist der Raum mit zwei primitiven Bettstellen und einer kleinen Wiege, in denen sich „kurz und klein gelagertes feuchtes Stroh befindet. – 8, acht Menschen, lebende Menschen wohnen und schlafen in dieser Höhle.“ Das Zimmer teilen sich ein alter Mann und ein Ehepaar mit vier Kindern: ein 18jähriger Sohn, die übrigen Kinder 7 bis 2 Jahre alt sowie ein 18jähriges Mädchen als Logisgängerin der Familie. Alle schlafen in den dicht nebeneinander stehenden beiden einzigen „Betten“. Für dieses leere Zimmer müssen jede Woche 4 M Miete bezahlt werden. „Wir waren entsetzt und glaubten, dass diese ‚Wohnung’ nur eine Ausnahme sei. Wir sollten bitter enttäuscht werden.“

Familien … mit Kleinkindern und Kindern, 14, 15 Jahre alt, und Untermietern, die alle in der Jutefabrik arbeiten, leben … auch in Kellern, in denen das Wasser auf dem Boden steht und an deren Wänden durch die Feuchtigkeit der Schimmelpilz blüht, vielfach ohne Licht- und Luftzufuhr. Babys werden in Pflege gegeben, Kinder ab vier Jahren werden den ganzen Tag sich selbst überlassen.

Wer mag da wohl der Zerstörer des Familienlebens sein?“

Verhältnisse, die auch in Braunschweig anzutreffen waren. Am 2. Juni 1909 schreibt der „Volksfreund“ „Die Arbeiterfeinde in ihrer Tätigkeit“, daß die bürgerliche Stadtverordnetenmehrheit nicht das geringste Verständnis für die Not der Arbeiter besitze, denn sie habe abgelehnt, 3000 Mark für die Speisung hungernder Kinder zu bewilligen. „Was gehen uns die Arbeiter an, wir wollen nicht, dass sie aus den Hungerverhältnissen herauskommen.

Das ist der Grundsatz der bürgerlichen Stadtverordneten, auch der der 3. Klasse.“

Folgerichtig klagt der Volksfreund am 31. Dezember 1912 an:

„… Heute fehlt es den Kindern an …: genügend Nahrung, Licht, Luft, Sonne. Sie wachsen in krankmachenden Bedingungen auf. Schulärzte berichten:

436 Kinder sind unterernährt und blutarm
248 Kinder haben Skrofulose
24 Kinder haben die Proletarierkrankheit Tuberkulose schon voll entwickelt
97 Kinder haben Herzleiden
277 haben schlechte Haltung und Rückgratsverkrümmung
207 Kinder haben Ungeziefer
Eine erhebliche Anzahl haben Störungen des Seh- und Hörvermögens.

Jedes dieser unglücklichen Kinder ein Ankläger gegen die heutige Weltordnung.“

„Die Fürsorgetätigkeit oblag den Schulärzten, die kranken … Kindern mit ihren Eltern eine hausärztliche Behandlung empfahlen. 112 Kinder befanden sich „in so elender Lage, dass sie nicht einmal die Arztkosten für ihre Lieblinge erschwingen konnten. …

Wieviel von den Kindern in den Genuß … eines Aufenthaltes an der See kamen, wird nicht berichtet. … Sobald sie wieder in die alten, krankmachenden Verhältnisse, die elenden Wohnungen, zu den darbenden Eltern zurück müssen, sind nach kurzer Zeit die Erfolge der Kur wieder zunichte. Die vielgerühmte Fürsorgetätigkeit unserer Herrschenden bedeutet gegenüber der Unsumme von vorhandenem Elend nichts weiter, als ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein.“

Auch diesen Missstand tragen die Arbeiter*innen am 2. Mai 1913 an die Öffentlichkeit:

Der „Volksfreund“ am 25. Juni 1914:

An die Arbeiterkinder Braunschweigs.

Die Schulferien stehen vor der Tür. Damit ihr auch in diesem Jahre wieder alle miteinander fröhliche Ferien verleben könnt, haben die Arbeitervereine beschlossen, wiederum … Ferienausflüge zu veranstalten. … die Kinderschutzkommission mitsamt dem Bildungsausschuß ist beauftragt, alle Vorarbeiten zu erledigen, … damit wir wieder in jeder Woche zweimal, vielleicht auch gar dreimal einen schönen Ausflug machen und dann … recht lustig im Walde spielen können.“

Die Erinnerungen von Franz Kahmann, einem der teilnehmenden Jugendlichen wurden festgehalten:

In der Sozialistischen Jugend gestaltete Minna Faßhauer auch in den Kriegsjahren Ferienspiele für Arbeiterkinder und unternahm mit ihnen Sonntagswanderungen ins Grüne, organisierte Feste und Spiele im Wald. Auch Weihnachtsfeiern für die Jugendlichen gehörten dazu.

„Unvergessen: Eine Elm-Wanderung. Ein ganzer Tag bei Mutter Natur. Birkengrün und Saatengrün genossen sie. Hunderte Teilnehmer kamen. Ihre Marschverpflegung bestand aus einem Beutel mit Pellkartoffeln. Diszipliniert und mit revolutionären Liedern marschierten sie durch die reichen Bauerndörfer. Minna immer an der Spitze.“

Karl Schlimme, Erinnerungen: Franz Kahmann erzog eine ganze Generation, „Rotfuchs“ Oktober 2007

Der „Volksfreund“ stellt die 17 Verantwortlichen zur Durchführung der Kinderfreizeit vor, zu der Minna Faßhauer zählt:

[BILDMATERIAL FEHLT]

Den Wert der Kinderfreizeiten beschreibt der Volksfreund am 2.Juli 1914: die Ferienfreizeit sei „Ein Stück Kulturarbeit“, die in vielen deutschen Städten durchgeführt und dass für die Verpflegung und Spielgeräte unter der Arbeiterschaft gesammelt wird: Mainz spendet 60 Mark, Braunschweig 6 350 Mark. Dies sei die Gewähr für fröhliche Stunden der Kinder in den Wäldern rings um Braunschweig.

Die „Kinderfreundlichkeit“ der „Offiziellen“ im Herzogtum entlarvt der Volksfreund am 18. Juli 1914:

Der verbotene Wald

(…) Im Herzogtum Braunschweig … darf man nicht einmal … frei in den Wäldern spielen … Wie mancher Dichter hat nicht schon von dem freien Wald gesungen … Er wusste ja auch, dass der Wald dem Bischof und dem König gehört, aber er konnte … frei im freien Walde träumen, weil ihm kein Büttel, kein Scherge, kein Werkzeug der Unfreiheit … nachschlich.

Zerreißt eure Märchenbücher, die euch vom freien Walde erzählen, ihr Kinder, und werft sie euren Lehrern als Lügen ins Angesicht. Zischt sie aus, die Ärzte, die euch änHHänsen und Greteldie Waldluft als bestes Heilmittel für eure blassen Kinder preisen, ihr braunschweigischen Arbeiterfrauen!

Sagt den Ärzten, dass ihr kein Geld habt, um eure Kinder in den freien Wald der Schweiz … zu schicken und dass ihr von den schönen Wäldern in Braunschweigs Umgebung keinen Nutzen für eure Kinder habt, weil die braunschweigische Regierung, diese fleischgewordene Volksfeindlichkeit, in ihrem Hasse gegen die aufgeklärte Arbeiterschaft jetzt schon so weit geht, dass sie den Arbeiterkindern den Aufenthalt im Walde verbietet … den Ferienausflügen der Arbeiterkinder ist der Wald verschlossen worden … durch Regierungsverordnung.

In den engen, alten, luftlosen Straßen, unter niedrigen Decken, in muffigen Winkeln und winzigen Stübchen wachsen die Braunschweiger Arbeiterkinder auf. Selbst in den neueren Straßen … atmen sie nur den gesundheitsschädlichen Staub, über den eine knickerige, unfähige und eigensinnige Stadtverwaltung nicht Herr werden kann, oder sie schlucken den Müll, der durch eine skandalös rückständige Müllabfuhr in wahren Gewitterwolken über die Straßen ausgegossen wird. Es gibt speziell braunschweigische Krankheiten, die in dieser Nachlässigkeit ihre Ursache haben.

In keiner anderen Stadt ist die Mittelohrentzündung, die durch Verstaubung der Schleimhäute des Rachens entsteht, so grauenerregend verbreitet, wie in Braunschweig. Halskrankheiten und namentlich auch Diphterie heischen Massenopfer. Die Lungenschwindsucht geht als Würgengel um. Die Rachitis füllt die Schulbänke mit verkrüppeltem Nachwuchs.

Fotos: „Werkbank, Waschtag, Schrebergarten“ Heidi Lang und Hans Stallmach, Steinweg Verlag 1990

Nun kommen die Sommerferien. Da sind nun die Männer und Frauen der modernen Arbeiterbewegung auf den Gedanken gekommen, die Arbeiterkinder … ins Freie zu führen und Ferienausflüge zu veranstalten …

Eigentlich sollte es in einem modernen Kulturstaate ganz selbstverständlich sein, dass die Kinder ungefragt in den Wald ziehen, dort frische Waldluft schöpfen und sich durch harmlose Spiele in der guten Luft erholen, kräftigen und unterhalten dürfen. Im Polizeistaate Braunschweig dagegen verlangt man, wie zum Beerenpflücken, auch zum Waldbesuch allein schon eine behördliche Erlaubnis. Dieses Verlangen ist … eine schier unerträgliche Schikanierung, nur ersonnen, um der Arbeiterbewegung selbst da, wo sie mit Politik gar nichts zu tun hat, Steine in den Weg zu werfen. Aber wir wollten den Kindern die Freude nicht verderben und haben deshalb um Erlaubnis nachgesucht. Darauf ging unserem Genossen Brenner folgendes Schreiben zu:

Es ist die braunschweigische Regierung, die den Arbeiterkindern den Wald verbietet.

Genesungsheime und Tuberkuloseheilanstalten muß sie auf Grund der Reichsgesetze unterhalten, damit die Invalidenrenten nicht zu sehr anwachsen; aber wo sie das Reich nicht über sich hat, da setzt sie sich der Volksgesundheit mit allen Machtmitteln entgegen.

Sie sperrt den Arbeiterkindern den Wald, wie sie den aus Versammlungen heimkehrenden Arbeitern die Straßen sperrt. Wie passt doch zu dieser Waldsperre so hübsch der Volksjubel beim Einzuge des Herzogs und der Taufe des Erbprinzen! … Wie rührend waren doch die Mären von den Affen und Eulen, die die Herzogin im Eulenspiegelhause eingekauft und unter arme Kinder verteilt habe. Die Mären waren erlogen.

… Todfeindschaft diesem System und auch Todfeindschaft dem glänzenden Schilde, hinter dem es sich verbirgt! Sie ist wieder im besten Begriffe, sich unsäglich verhasst zu machen. Und an die glücklichen Zeiten, die der neue Herzog bringen sollte, glaubt kein Mensch mehr. Nicht er regiert, sondern die Vetternschaft der Volksfeinde.“

Quelle: Volksfreund, 18. Juli 1914

Volksfreund vom 23. Juli 1914:

Die Regierung bläst zum Rückzug

… Nach mehrmaliger reiflicher Prüfung aller in Frage kommenden Umstände habe die vorgesetzte Behörde entschieden, dass die Kinderspiele im Walde zu gestatten seien. … Mit der Aufhebung des Verbots der Kinderspiele im Walde soll eine grenzenlos aufhetzende Maßnahme wieder gut gemacht werden, die unsere Regierung wieder einmal in ihrer wahren Größe zeigt. S o l l gut gemacht werden. Sie wird nicht gutgemacht. Denn die Tatsache bleibt bestehen, dass ein solches Verbot erfolgt ist, … dass Sozialdemokraten sich der armen Kinder annahmen. … Dass sie damit absolut keinen Erfolg haben, treibt diese Herren zu immer heftigeren Hetzereien. … Nur weiter so.

Unsere Feinde arbeiten gut f ü r u n s, … Uns konnte kein besseres Agitationsmittel geboten werden, als das unerhörte, von uns gewiß nicht gewünschte Verbot der Kinderspiele im Walde.

Beilage zum Volksfreund vom 21. Mai 1915 in der Rubrik Braunschweiger Nachrichten:

Beilage zum Volksfreund vom 19. 8. 1915, Seite 3:

Die Kinderschutzkommission.

Die Frauenkonferenz 1908 hatte Wirkung gezeigt: Beschlüsse der Parteitage und Gewerkschaftskongresse machten es den Genoss*innen zur Pflicht, den Schutz der Kinder vor ungesetzlicher Ausbeutung, Verwahrlosung und Mißhandlung voranzutreiben.

Die Braunschweiger Arbeiterschaft hat … eine Kinderschutzkommission gewählt, deren Vorsitzender … unser leider gefallener Genosse Brenner war, der sich mit großer Hingabe der schönen Aufgabe … widmete. …

Durch den Krieg ist die Lust zur Ausbeutung der Kinder eine noch größere geworden und wird das Bestreben, die Kinder zur Arbeit heranzuziehen, nach dem Kriege noch stärker hervortreten. Es muß deshalb jetzt schon angefangen werden, die Genossen und Genossinnen über die gesetzlichen Bestimmungen des Kinderschutzes aufzuklären. Bekanntlich dürfen in Deutschland von einem gewissen Alter an sowohl eigene als fremde Kinder beschäftigt werden. In welchem Umfange eine solche Beschäftigung zulässig ist, wird von Zeit zu Zeit die Kommission an dieser Stelle veröffentlichen.

Wo irgendwo ein Kind verwahrlost, misshandelt oder in ungesetzlicher Weise zur Arbeit herangezogen wird, möge man es den hier folgenden Mitgliedern der Kinderschutzkommission melden, die versuchen werden, das Los der armen Kinder erträglicher zu gestalten.

Die Kinderschutzkommission:

  • Hedwig Steinbrecher, Korfesstr. 22, II, Vorsitzende.
  • Josef Schächtl, Münzstraße 9, Kassierer.
  • Anna Broßwitz, Helenenstraße 13.
  • Minna Faßhauer, Weststraße 19.
  • Hulda Graf, Schlossstrasse 8, I, Eingang Oelschlägern.
  • Anna Kesselhut, Karl Schmidtstraße 5, III.
  • Helene Matz, Juliusstraße 24 a, III.
  • Anna Menge, Comeniusstraße 8, III.
  • Frau Schlimme, Reichsstraße 18a.
  • Berta Schlösser, Wörthstraße 5, p.
  • Marie Wedekind, Mönchstraße 13, p.“

Bis jetzt wissen wir, daß Minna Faßhauer unter illegalen Bedingungen für das Reichsvereinsgesetz tätig war, damit Frauen sich politisch organisieren dürfen, daß sie im Wahlrechtskampf für die Frauen und in der Kinderschutzkommission für die Kinder aktiv war.

Doch das war bei weitem noch nicht alles.